Bericht zu den Jagdreitertagen im Mai 2017

Was git es neues aus Dorfmark?

Zuckersüße Welpen! Hinreißend! Bildhübsch!

Leider bleiben nicht alle in Dorfmark sondern gehen quasi zur Hälfte zu unseren Freunden nach Hamburg. Aber dort sind sie ja sehr gut aufgehoben und in professionellen Händen.

Kikki, ihre Mami, durfte vergangenen Freitag dann auch mit raus. Toll war das. Sie ist so ein exzellenter Hund. Die Zucht mit ihr wird sicher voll einschlagen. Samstag und Sonntag war dann wieder Mutterschutzzeit für sie.

Freitag, ich war mir gewiss, reiten wir ohne Regen. Tagsüber noch Sonne hielt sich die Wärme dann auch bis in den Abend und wir kamen im Trockenen nach Hause.

Wenn man vorne bei den Hunden reitet, bekommt man von den Teilnehmern nicht viel mit. Man muss sich sehr konzentrieren und Acht geben, dass die Hunde machen, was sie sollen.

Es ist auch für uns eine ideale Gelegenheit mit den Hunden im Gelände zu üben. Die einzelnen Schleppen müssen nicht perfekt sein. Wir variieren die Menge der heraustropfenden Anis-Lösung. Wir bauen Haken ein und verführen die Hunde, von der richtigen Fährte abzukommen. Zu Überschießen. Im Gelände tummelten sich am Wochenende fast 90 Reiter. Es liegen viele Fährten. Pferdegeruch, Menschenspuren, vergangene Schleppen. Ich bin begeistert zu sehen, wie die Hunde suchen. Auch dem Ungeübten fällt auf, dass die Hunde nicht immer Laut geben. Wenn sie die Fährte verloren haben, werden sie meist still. Und suchen. Auf unseren Ruf hin, kommen sie erwartungsvoll zurück und schwärmen wieder weitläufig aus. Da wir die Strecke vorher besprechen, können wir bei falscher Spur schnell reagieren und somit versuchen, ein Vertrauensverhältnis zu den Hunden aufzubauen.

Das ist sehr wichtig, wenn wir im Herbst in die Jagdsaison starten. Jeder Hundebesitzer weiss, dass man ohne dieses Vertrauen zwischen Mensch und Tier vergeblich kämpft bis hin ins Lächerliche.

Auch das Wetter spielt eine große Rolle. Und der Boden. Am Sonntag kam es aus uns unerklärlichen Gründen auf einer Schleppe zu einem Totalausfall. Manchmal findet sich keine Antwort. Die Lösung tropfte aus dem Kanister. Die Fährte lag. Der  Sandboden im Wald war nicht zu trocken durch den Regen in der Nacht. Und das Anlegen der Hunde erfolgte zum richtigen Zeitpunkt.

Ganz lapidar: So ist eben Jagdreiten. Denn das gehört dazu. Wir sind sehr erfolgsverwöhnt. Auf der Wildjagd konnte es früher doch über den ganzen Tag gehen, bis das Wild gestellt war.

Trotzdem macht es mehr Spaß, die Hunde bei der Arbeit zu beobachten, wenn sie die Fährte sauber ausarbeiten und laut bellend bei der Sache sind. Auch freut man sich, wenn manch alter, fast abgestempelter Routinier, der das Tempo der Jagden eigentlich nicht mehr schafft, dann ganz vorne ist und als erster beim Schleppenleger ankommt.

Diese „alten“ Hunde bewegen mich sehr. Man kennt sie schon so lange und hat sie in ihren Hochzeiten erlebt. Nun laufen sie hinterher und versuchen, nicht unter die Pferdehufe zu kommen. Wenn sie doch abgeschlagen hinten sind und nicht abkürzen können, wie es auf manch Wiesen möglich ist! Und dann ist da wieder die Jugend, die sich hervorbringt. Ganz stark gerade die V-Linie mit Vino. 4 Jahre jung und voller Kraft alles Halbgeschwister zur Kopfhündin Kikki.

Die Hunde haben über das Wochenende eine sehr gute Leistung gezeigt. Gerade die Hitze ist für die Hunde eine große Herausforderung. Doch durch den gut gewählten Regen über Nacht war viel Wasser da zum Tränken und Abkühlen.

Seit drei Wochen erst im Training kamen auch schon einige Junghunde, die „Jährlinge“ aus letztem Jahr, mit raus. Zur Sicherheit zwar noch gekoppelt mit einem erfahrenen Hund- hier durfte Vino mal den Onkel spielen- liefen sie unerschrocken mit. Die Arbeit von Carina zahlt sich immer wieder aus. Tagein Tagaus ist sie ein beständiger Ansprechpartner für die Hunde und sorgt für ihr Wohl. Das macht die Zusammenarbeit für uns leicht und angenehm.

Richtig eingejagt werden die Jungspunde dann im Sommer auf dem Jugendlehrgang, wo viele Hände sind und ein großes Team.

Die Jagdreitertage sind also nicht nur wichtig für die Teilnehmer.

Einen Hundetritt können wir uns im Grunde nicht leisten. Jeder Jäger weiss um den finanziellen Wert seines Jagdhundes. Ausbildung und Erfahrung kosten auch bei uns viel Arbeit und Zeit. Wir brauchen diesen mutigen, unerschrockenen und selbstsicheren Hund, der es gelernt hat, die Fährte in rasendem Tempo mit der Nase auf dem Boden auszuarbeiten.

Neben den Hunden muss auch jeder Pikeur in Übung bleiben und das Reiten mit den Hunden üben. Neue Namen müssen gelernt, alte aufgefrischt werden. Ja: Jeder Hund hat einen Namen! Für die Basics ist auf einer Jagd nicht genug Zeit. Das Reiten mit einer Hand, der Einsatz für den „Fall X“, wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant, muss auch von den langjährigen Pikeuren immer wieder geübt, neue oder junge Pferde müssen eingearbeitet werden. Man trägt Verantwortung. Das Reiten mit den Hunden macht großen Spaß. Doch auch die Erwartungshaltung ist groß. Diese gilt es zu erfüllen. Dankbar sind wir, wenn wir  neben den Variablen Mensch und Tier da meist  die richtige Mitte finden.

Und eh man sich versieht ist das Wochenende schon wieder vorbei.

Was bleibt am Abend? Glückliche Menschen, Erschöpfung, Entspannung, neue Erfahrungen! Neue Mitglieder!! Ist das nicht toll, wenn man neue Gesichter sieht, die sich wohl fühlen in dieser Gemeinschaft und Anteil haben wollen? Voller Zuversicht und Vertrauen?

Wir freuen uns, wenn unsere Familie sich vergrößert. Mehr Qualität. Mehr Leidenschaft!

Auf ein gutes Miteinander! Auf die Jagdreiterei! Darauf ein Horrido!

 

Fotos: Andreas Güldner

2017-05-18T12:07:25+00:00